Seenotretter und Berliner Krankenhäuser bringen den virtuellen Notarzt auf See

5.12.2014. Moderne Telemedizin-Technik soll bei medizinischen Notfällen auf See und auf Offshore-Windkraftanlagen künftig die Notfallversorgung für Patienten auf Nord- und Ostsee erleichtern.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sowie die Berliner Universitätsklinik Charité und das Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) planen dazu eine enge Zusammenarbeit. Am Donnerstag, 4. Dezember 2014, stellten die Beteiligten das Projekt in der Zentrale der Seenotretter in Bremen der Öffentlichkeit vor.

Die Zusammenarbeit „von der Weser bis zur Spree“ haben die beiden Tochtergesellschaften der DGzRS und der Charité angestoßen: Während die DGzRS über ihre Gesellschaft für Maritimes Notfallmanagement (GMN) eine Notfallleitstelle Offshore-Windparks betreibt, hat die Charité-Tochter GHC Global Health Care moderne Telemedizin-Technik entwickelt. Sie bringt mittels drahtloser Kommunikation notärztliche Hilfe auch an weit entfernte Orte auf See. Dies gewährleistet telemedizinische Rund-um-die-Uhr-Versorgung durch Ärzte der Charité und des auf Notfälle spezialisierten Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhauses Berlin.

„Die Notfallkoordinierung mit der jahrzehntelangen Erfahrung und Kompetenz aus Bremen verbindet sich mit der renommierten Medizinkompetenz aus Berlin und modernster Kommunikationstechnik zur umfassenden Lösung für Offshore-Windpark-Betreiber. Sie können damit den für sie verbindlichen Forderungen für den Betrieb ihrer Anlagen entsprechen“, sagt GMN-Geschäftsführer Kapitän Udo Helge Fox. Bei einem Notfall auf einer Offshore-Windkraftanlage greift zunächst der betriebliche Arbeitsschutz. Es liegt in der Verantwortung der Unternehmen, ein bedarfsgerechtes Schutz- und Sicherheitskonzept inklusive Rettungsmittel und lückenloser Meldekette vorzuhalten, um menschliches Leben und menschliche Gesundheit zu schützen.

Mittelfristig planen GHC, GMN, Charité, ukb und DGzRS, ihre Zusammenarbeit auf medizinische Notfälle auf See auszudehnen. „Die Seenotkreuzer der DGzRS sollen dazu mit entsprechender Technik ausgerüstet werden und diese – abseits von Notfällen in Offshore-Windparks – auch im ,klassischen‘ Seenotfall einsetzen können“, kündigt DGzRS-Geschäftsführer Nicolaus Stadeler an.

Zum Einsatz kommen soll das von GHC entwickelte telemedizinische Notfallsystem „AescuLink“. Es unterstützt Ersthelfer wie die Seenotretter vor Ort und ist auch für Nicht-Mediziner einfach zu bedienen. „AescuLink“ umfasst Echtzeit-Audio-Video-Kommunikation und Liveübertragung von Vitalparametern (3- und 12-Kanal-EKG-Daten, Herzfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung des Blutes, Körpertemperatur etc.) über drahtlose Verbindungen. „Die von uns entwickelte Technik zeichnet sich durch einfache Bedienung, geringe Netzwerklast und Robustheit gegenüber Schwankungen der technischen Verbindungsqualität aus“, erläutert GHC-Geschäftsführer Dr. Trong-Nghia Nguyen-Dobinsky.

In Berlin ist die telemedizinische Beratung durch erfahrene Notärzte rund um die Uhr geplant. Dazu gehört, die übermittelten Vitaldaten und Bilder zu analysieren, kompetente Diagnosen zu stellen sowie an Ersthelfer wirkungsvolle Behandlungsanweisungen zu geben und deren Ausführung zu überwachen. Logistische Entscheidungen zur weiteren Notfallversorgung können so auf solider medizinischer Grundlage getroffen werden. Die Technik ermöglicht außerdem die Überwachung des Patienten nach der akuten Phase, also während des Transportes mit Seenotkreuzer oder Hubschrauber an Land.


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